» die relovution kommzt... sei auf der hütte!
June 14, 2007
Keine sinnvolle Überschrift
Bereit für die nächste Dosis Amerika?
Die letzte Woche haben wir zwar mehr oder weniger komplett in Colorado verbracht, allerdings ist dieser schnieke Bundesstaat in seiner Vielfältigkeit auch keineswegs zu unterschätzen. Von den Ausläufern der Great Plains im Osten über die saftig grünen und selbst im Juni frostigen (wir haben bei Schneefall und Minusgraden gecampt, noch dazu in einem nicht zu kleinen Sturm, der zehn Meter neben unserem Zelt einen Baum umgehauen hat) Rocky Mountains, die zu ausgedehnten Wandertouren und Autofahrten über diverse Pässe auf 4000 Metern - plus minus ein paar hundert - einladen, bis hin zu den roten Sandsteinwüsten im Südwesten. Und das ist immer noch nicht das Ende vom Lied: Auf dem Plan liegen noch mindestens der Black Canyon of the Gunnison, ein angeblich sehr spektakulärer.. naja, Canyon eben, und die mysteriösen in Felswände gehauenen Städte der Ancestral Pueblans (auch bekannt als Anasazi), die irgendwann im 14. Jahrhundert plötzlich verschwunden sind (die Anasazi - nicht die Städte. Logisch, oder?).
Gestern hat uns auch ein ordentliches Gewitter in Glenwood Springs (Genauergesagt in einem kleinen Kaff nebenan. Wie es heißt? Tja, es hat keinen Namen. Und das meine ich Ernst: Es ist ausgeschildert als "No Name"!) erwischt, was voller Hoffnung geschmiedete Pläne auf Rafting und weitere interessante Wandertouren mehr oder weniger brutal zerstört hat, aber heute war bereits wieder alles eitel Sonnenschein, und auch die Klimaanlage durfte wieder auf vollen Touren laufen. (Für die, die unsere Tour auf Google Maps nachvollziehen wollen, oder um ehrlich zu sein, für meine eigene Erinnerung, die größeren Stationen der letzten Tage hießen: Denver (ein dreckiges Loch); Golden Gate Canyon State Park (der weder etwas mit der Golden Gate Bridge, noch mit den Grand Canyon zu tun hat - um ehrlich zu sein haben wir nicht einmal den Canyon entdeckt); Nederland (wo es ein Deutsch-Schwarzwaldrestaurant gibt); Boulder (übelstes Hippiekaff, hier singt sich irgendwie jeder seinen Lebensunterhalt zusammen); Estes Park (Touriefalle)/Rocky Mountain National Park (sehr, sehr nett); Trail Ridge Road (der höchste Highway der USA); Silverthorne (klingt wie aus einem Computerspiel); Leadville (die höchstgelegene Ortschaft der USA); Independence Pass nach Aspen (Zitat Tussi am Information Center in Silverthorne: "Oh, that's DEFINATELY the way to go to Aspen!"); Glendwood Springs (wo es tolle natürliche heiße Quellen gibt, die im tiefsten Winter sicher am besten zu genießen sind. Natürlich ist das ganze Touristengerecht in eine Art Kurbad hereingepfuscht worden, womit die Besitzer auch sündhaft teure Eintrittsgelder (und über allerlei Zusatzleistungen) à la Krösus absahnen können. Im lokalen Begleitheft steht übrigens, dass als das Bad irgendwann kurz nach 1900 eröffnet wurde extra Personal aus Europa eingeflogen wurde um den ganzen den edlen Touch verleihen zu können..); Highline State Park bei Grand Junction (völlig un-sehenswert, aber weit genug weg von der zuvor über uns hängenden Regenwolke); heute das Colorado National Monument (ein sehr sehenswertes Hochplateu aus Sandstein); und jetzt der Crawford State Park etwas nördlich von obig genannten Black Canyon of the Gunnison.
Um die ständig wiederkehrenden Fragen von in Europa zurückgelassenen mal für alle zu beantworten: Ja, wir zelten meistens, in seltenen Fällen auch mal in einem billigen Motel (äh, schlafen, nicht zelten.. wäre wohl etwas komisch. "Hi, I'd like a room for a night.." - "Sure, for how many people?" - "Nah, no people, just a tent..") oder irgendwo in der Pampas im Auto. Ja, in Amerika gibts an jeder Ecke Burger, sowie an allen Rundungen, Geraden und Punkten. Ja, wir lernen jede Menge Leute kennen, nein, wir haben nicht die Möglichkeit (oder Intention) uns ständig zu besaufen, das verhindert das tolle Alkohol-ab-21-Gesetz, und ja, es ist definitiv genial hier drüben. Ha-ha an alle die nicht mitkommen wollten und es jetzt bereuen! :-)
Weitere Beobachtungen:
- Fast jeder Ami scheint schon mal mit dem Militär in Deutschland gewesen zu sein, oder jemanden dort zu kennen.
- Niemand käme deswegen auch nur auf die vage Idee spaßeshalber das - wenn überhaupt vorhandene - eingerostete Deutsch hervorzukramen.
- Dreiviertel der Amerikanischen Population wohnt in RVs. Wer dachte, die Holländer wären das verrückteste Wohnmobilvolk könnte falscher nicht liegen.
- RVs können auch mal die Größe von ausgewachsenen Reisebussen annehmen. Und hintendran hängt noch das normale Ausflugsauto, welches wiederrum ein Supersize-Dodge mit Doppelreifen und Flugzeuggröße (und -spritverbrauch) hintendranhängen hat.
- Züge sind hier auch mal mehrere Kilometer lang. Und sie verfolgen uns! An fast jedem Camping in dem wir waren schafft es irgendwie ein Zug sich in deutlich hörbare Nähe zu schleichen und uns des nachts röhrend zu wecken. Prädikat: Miese Vieher!
- Bargeld ist bis auf die ubiquitösen Quarters (Münzen) für Automaten oder Washingtons (1 Dollar Scheine) für Trinkgelder eine mehr oder völlig abstruse Sache. Wenn man mit Scheinen statt mit Karte bezahlt, ist man automatisch als nichtsahnender europäischer Tourist entlarvt.
- Viele Dinge, die für uns recht selbstverständlich sind (wie Anschnallen, oder nicht mitten auf der Autobahnauffahrt parken) sind in den USA extra deutlich ausgeschildert, und damit auch niemand denkt das Ganze sei ein staatlich abgesegneter Witz, steht immer drunter: It's the law!
Was die Amis überhaupt nicht draufhaben:
- Duschen. Entweder brühend heiß oder (seltener) völlig eiskalt, Hauptsache schmerzhaft. Regelungen irgendeiner Art gibt es grundsätzlich nicht.
- Verkehrsbeschilderungen. Mal vor der Ausfahrt, mal hintendran, auf jeden Fall immer irgendwo anders, gerne auch mal Ankündigungen à la "Camping - 1/2 Mile right", aber dann die eigentliche Abbiegung selbst völlig unscheinbar hinter einem Gebüsch und ja nicht ausgeschildert verstecken.
- Verkehrsführung im Allgemeinen: Wer hier stets weiß, welche Spur für was ist, wohin führt und wie/wo man wenden kann/soll/darf, darf sich als mein persönlicher Zen-Meister und Held melden.
- Natur mal Natur sein lassen. So gut wie alles ist bis in den letzten quarter-inch touristisch erschlossen, mit Schilder beworden, mit bunten Motels und Hotels bepflastert, und kulinarisch mit den gängigen Fast-Food-Ketten bestens versorgt.
So, jetzt aber genug mit den etwas auf Schwarz-Weiß getrimmten Blicken auf den Nordamerikanischen Kontinent, in Wirklichkeit ist es echt verdammt genial hier drüben, weitaus besser als es in Europa gerne dargestellt wird. Die Menschen sind freundlich und hilfreich, die Landschaften phänomenal, und im großen und ganzen ist alles völlig problemlos. Ich kanns nur jedem raten! Und zur Belohnung für alle, die sich durch den Text gekämpft haben, gibt es besonders viele hoffentlich hübsche Bilderchen:

Die Great Plains

Die Rocky Mountains

Schnee hat hier keinen Seltenheitswert (man trifft allerdings durchaus des öfteren Gruppen von Mexikanern mit lauter Jugendlichen die herumschreien "Oh my God, it's snow! Can you believe it?! It's SNOW! SNOW!!")

Die Rockies sind grooß

Hier haben selbst Hunde manchmal Langeweile

Es ist ca. 0°C, es schneit, und der kalte Wind fegt uns um die Ohren... aber wir GRILLEN!

Fleisch! (Oben: Büffel, unten: Beef)

Diesen Baum habe ich nach dem Sturm keine zehn Meter von unserem Zelt entfernt entdeckt. Ein toller Weg, um den Tag zu beginnen!

Um mal die Temperatur zu dokumentieren (49 Fahrenheit = ca. 9 Grad Celsius). Man bedenke: Das hier ist noch im kleinen Städtchen einige hundert Meter tiefer, und noch nicht so spät abends. Da gehts nochmal ordentlich runter!

Panorama

Ein Groundsquirrel

Knuffiges Murmeltier

Die Wege hier sind teilweise so anstrengend, dass manche einfach tot umfallen

Trail Ridge Mountain Index

Gipfel der Welt (fast.)

Einer unserer Campgrounds, tief in der Pampas, wo einem auch mal Elche Gute Nacht sagen kommen

Eingang zum Colorado National Monument

Wenn sich jemand das Leben nehmen möchte: Hier wäre ein stylischer Ort dafür! (Das soll jetzt natürlich keine Ermutigung sein. Außer du bist fett, hässlich, dumm, und stinkst. Was mich an die Schlagzeile einer kürzlich erschienenen Ausgabe von "The Onion" erinnert: 'Most Americans too fat to commit suicide!')

Die Hochebene ("Mesa") des Colorado NM

Der Griff nach dem Abgrund

Auch hier gehts tief hinab

Die Tiefebene, in der der Colorado River fließt, wirkt im Kontrast sehr grün

Das wars für heute. Schreibt ein paar Sätze in die Kommentare (es scheint zu funktionieren, irgendwie), ich würde mich freuen!
Posted 3 years, 6 months ago on June 14, 2007
Trackback URL für diesen Post: http://relovution.de/bblog/trackback-nobot.php/67/